Wer raus kommt ist nicht automatisch frei

Das Theaterstück „leichtes Gepäck“ des Kurses Darstellen und Gestalten Jahrgang 10 am Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock wurde am 3.2. aufgeführt.

Chris hat ihren Abschluss in der Tasche und Chris hat es satt. Ihre bevormundenden Eltern, die anhängliche Schwester, das alles ist ihr zu viel. Sie will die Welt bereisen und erhofft sich die Unterstützung ihrer Familie – die bekommt sie aber nicht. Was sie bekommt, sind Vorwürfe, Warnungen und Ratschläge, und so reist sie ab, äußerlich frei und innerlich gebunden. Das wird deutlich, als sie Indien bereist, wo sie zuerst angeflirtet und dann auf einer Bollywood-Hochzeit  abserviert wird. Schon beim Date im Restaurant erscheint ihr in Gedanken ihr Vater, der ihr Vorwürfe macht. Auch in der Arktis wird es nicht besser, nach Tierbeobachtung inklusive Eisbär-Flucht, bekommt sie Fieber und träumt von ihrer Mutter, die sich in ihren Sorgen um die Gesundheit von Chris bestätigt sieht. In Amerika wird sie zuerst beraubt und glaubt dann auf einer College-Party betrunken ihre Schwester zu sehen, die ihr natürlich auch wieder Vorhaltungen macht. Chris hat genug und trennt sich vom Inhalt ihres Rucksacks, der voller „Geschenke“ der Familie ist. Sie flüchtet sich in die Einsamkeit des Dschungels, doch auf dem Weg dahin wird sie mit überflüssigen Produkten im Duty-Free-Shop und mit mäßig guten Hinweisen des Guides überschüttet. Selbst ganz allein bei Nacht im Zelt nerven noch die Tiere. Als sie sich lautstark von allem befreit („Ruuuhhheeee!!!“) textet in die Stille hinein die Schwester aufs Handy. Chris hat endgültig genug, sie erklärt sich ihrer Schwester, beendet das Gespräch und genießt allein den Sonnenaufgang – endlich hat sie „leichtes Gepäck“.

Das Stück ist der Abschluss von eineinhalb Jahren gemeinsamer Theaterarbeit. Kursleiterin Kristin Deters: „Ich versuche für jede Gruppe die genau für sie passende Idee zu finden. Nachdem in meinem letzten Kurs mit ‚Sandmann‘ und ‚Metropolis‘ historische Literatur- und Filmvorlagen in die heutige Zeit geholt wurden, diente bei diesem Kurs das Roadmovie ‚Into the wild‘ von 2008 als grober Ideengeber. Die Gruppe, bestehend aus 18 SchülerInnen, ist sehr heterogen, sodass es mir sinnvoll erschien, lauter Kleingruppen anzulegen, die durch das Thema der Reise zusammengehalten werden. So gibt es nun die Familie, die Inder, die Arktis-Forscher und die Amerikaner, die jeweils in sich abgeschlossene, lustig-frustige Geschichten in einem Land erzählen, wobei das Flughafen-Team die Szenengruppen miteinander verbindet und Überleitungen schafft.“ Einzig die Hauptdarstellerin Wilma alias Chris taucht in jeder Szene auf.

Etwa 130 Zuschauer sahen sich die Aufführung an, die NW und das WB berichten.

Leitung: Kristin Deters

Spieler: Nele Heidotting, Wilma Sträter, Fynn Erichlandwehr, Emira Bikliq, Ludwig Femfert, Jonah Flaschel, Sara Heimann, Nina-Sophie Matvicuk, Greta Nienstedt, Nele Renneke, Erlina Bellaina, Valeria Cutu, Mindona Quarri, Fiona Thaci, Julia Fulle, Lia-Marie Schulz, Emilia Tenace, Sophie Vogt